PETER REIN

 
 
 
 
   
Peter Rein Regie Intendanz Intendant Coaching

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Peter Rein Regie Intendanz Intendant Coaching

Frischer Wind in der Ingolstädter "Betonburg"
DIE WELT / NOVEMBER 2001

Theater-Intendant Peter Rein über seine Arbeit Von Detlev Baur


Das Intendantenzimmer ist frisch geweißt und funktional eingerichtet. Neben dem Schreibtisch samt Notebook hat ein großer Glastisch mit einfachen Stühlen das Sofa des Vorgängers verdrängt. Nach sechsjähriger Intendanz des erfahrenen Wolfram Krempel hat das Ingolstädter Stadttheater seit Beginn dieser Spielzeit einen neuen Intendanten: Den dynamischen, noch nicht einmal 40 Jahre alten Peter Rein. Er stammt aus Donauwörth, nur einige Kilometer von seiner neuen Wirkungsstätte entfernt.

Die Betonburg aus den 60-er Jahren hat Rein als Schüler zum ersten Mal besucht; ein hermetisches, heftig umstrittenes Bauwerk, das - wie Rein aber findet - hervorragend zur älteren Architektur der Stadt, etwa dem benachbarten Schloss, passt. Reins Theater-Werdegang begann auch in einer Donaustadt - in Wien: Dort, am Max-Reinhardt-Seminar, machte er seine Ausbildung zum Regisseur, um anschließend als freier Regisseur zu arbeiten. Unter anderem in Kassel, Braunschweig, Konstanz, Oldenburg, Leipzig und Karlsruhe. 1996 wurde er Oberspielleiter am Erfurter Theater.

Geplant habe er diese Karriere so nicht, sagt er, aber als Oberspielleiter wie Intendant hat der nun in die Heimat Zurückgekehrte die kontinuierliche Arbeit mit einem Ensemble schätzen gelernt. Deshalb betont Rein auch, wie sehr er an Teamarbeit interessiert sei und wie wenig er über die Köpfe der anderen hinweg entscheiden wolle.

Am kleinen Ingolstädter Theater mit seiner erst 35-jährigen Tradition ist der neue Intendant von der effizienten und engagierten Arbeit aller Abteilungen begeistert. Mit einer sehr knappen Personaldecke würden bemerkenswerte Ergebnisse erzielt. Rein hat in den wenigen Wochen seiner Arbeit "fast den Charme und Zusammenhalt einer Zirkusfamilie" am Haus ausgemacht.

Mit der Ansetzung des Stückes "Feuergesicht", in dem ein Junge aus gutsituierter Familie zum Attentäter wird, ist ihm ein erster Erfolg geglückt. Das Stück, das er schon vor anderthalb Jahren vorgeschlagen hatte, passt ungeahnt gut zur seit dem 11. September veränderten Weltlage. Auch wenn das Theater in aktuellen Reaktionen mit anderen Medien nicht mithalten könne: "Theater kann über Hintergründe nachdenken. Es reflektiert die Welt und besonders die Beziehungen zwischen den Menschen", so Rein.

Auch in die Proben zu seiner ersten eigenen Ingolstädter-Intendanten-Inszenierung von Shakespeares "Was ihr wollt" hätten die schrecklichen Ereignisse Eingang gefunden - "weil man den Text ganz anders hört". Rein ist sich sicher, dass die Inszenierung - auch ohne oberflächliche Aktualisierungen - eine intensive Antwort auf die derzeit stark verunsicherte Welt ist.

Eine Neuerung am Theater der Audi-Stadt wird unter seiner Ägide die verstärkte Arbeit im Bereich Kinder- und Jugendtheater sein. Die Spielzeit begann programmatisch mit einem Kinderstück. Insgesamt bietet der Spielplan alles - von Sophokles über Shakespeare bis Yasmina Reza. Daneben sind Musik- und Tanztheatergastspiele zu sehen. Vielleicht der Höhepunkt der Spielzeit im November: Die Uraufführung von Kerstin Spechts biografisch geprägtem Stück über die bekannteste Tochter der Stadt: Marieluise Fleißer, die bedeutende Ingolstädter Dramatikerin.

 
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